Anscheinsbeweise für typische Unfallsituationen

Für typische Unfallsituationen wurden Anscheinsbeweise entwickelt, die dem Anspruchsteller den Beweis der Ursächlichkeit für den Unfall erleichtern. Der Unfallgegner kann dann einen atypschen Verlauf darlegen, muß ihn aber beweisen:

Trunkenheit: Bei über 1,1 Promille im Blut spricht der Anschein der Fahrunsicherheit für die Unfallverursachung,           wenn einem Nüchternen keine Schwierigkeiten in dieser Situation hätte oder der Unfallhergang unaufklärbar war.      Der Anschein wird widerlegt, wenn andere Ursachen den Unfall verursacht haben (Glatteis) oder ein Idealfahrer             den Unfall nicht hätte verhindern können.

Vorfahrtsverletzung: Beim Einbiegen spricht dessen Verletzung für die Verursachung. außer der Berechtigte konnte auch nicht   bei größter Sorgfalt gesehen werden oder er war nicht im Sichtfeld.

Notbremsung aus hoher Geschwindigkeit

Auffahren auf das Fahrzeug des Vorausfahrenden, weil Fahrer unaufmerksam war oder den Sicherheitsabstand nicht einhielt.

Abkommen von der Fahrbahn und Begegnungszusammenstoß, auch auf nasser Fahrbahn oder bei vorhersehbarer Glätte, nicht bei   Lenkungsschaden, Luftverlust im Reifen oder, wenn der Abkommenden trotz Gegenverkehr zuvor überholt wurde.

Linksabbieger, der mit einem ordnungsgemäß Überholenden kollidiert, außer, wenn er nicht blinkte. Ebenso nicht, sofern der   Entgegenkommenden ohne Licht oder wesentlich zu schnell fuhr.

 

Einseitiges Schuldanerkenntnis nach Unfall:

Nach der BGH-Rechtsprechung verbessert ein derartiges Anerkenntnis die Beweislage des Erklärungsempfängers, weil er von den weiteren Aufklärungsmaßnahmen absieht. Er ist seinen Beweisanforderungen enthoben, wenn nicht dem Erkärenden der Nachweis der Unrichtigkeit des Anerkannten gelingt (BGH, Urteil vom 10.01.1984, VI ZR 64/82).

In unserem Fall konnten Zeugenaussagen und der Sachverständige die Unfallursache, auffahren des hinteren oder zurückrollen des vorderen Pkw) nicht klären. Die Klägerin schickte eine whats-up mit folgendem Wortlauf "Schreib mir, was du bekommst bzw. was ich machen soll. Tut mir so leid und mir ist das unangenehm." Es kommt nach Ansicht des AG Oldenburg auf den tatsächlichen Willen und nicht auf den konkreten Wortlaut an. Der Inhalt der Nachricht läßt erkennen, dass die Klägerin die Verantwortung für den Unfall übernehmen wollte. Ihre Einlassung, sie wollte Unfrieden damit vermeiden und den Konflikt beenden, glaubte das Gericht nicht, so dass es die Schadensersatzklage abwies (Urteil vom 28.11.2019, 25 C 14/18).