Flugverspätung, Höhe der Entschädigung

Aus eigener Erfahrung (Urteil AG Hamburg vom 04.02.2016, 48 C 13/16) können wir bestätigen, dass die Fluggesellschaften zwar nicht außergerichtlich aber sofort nach Klageinreichung per Anerkenntnis folgenden Schadensersatz zahlen:

Verspätung (tatsächliche gegenüber planmäßiger Abflugzeit) über drei Stunden
250,00 € pro Ticket bei einer Entfernung von unter 1.500 km
400,00 € von 1.500 bis 3.500 km
600,00 € bei über 3.500 km

außer bei außergewöhnlichen Umständen (politische Instabilität, mit der Durchführung des Fluges nicht zu vereinbarende Wetterbedingungen oder Sicherheitsrisiken, Streik, Sperrung des Landeflughafens bei Geiselnahme dort), die sich auch dann nicht hätten vermeiden lassen, wenn alle zumutbaren Maßnahmen getroffen worden wären. Der BGH meinte in seinem Urteil vom 13.11.2013/X ZR 115/12, dass deshalb jede Verweigerung oder verzögerte Erteilung einer Landeerlaubnis (= Slotzuteilung; Anordnung der Flugsicherung Eurocontrol) einen außergewöhnlichen Umstand darstellt, dagegen verlangt das AG Nürnberg in seinem Urteil vom 11.12.202/ 240 C 8633/19 auch für die einzelne Slotzuteilung einen außergewöhnlichen Umstand bei dem die Fluggesellschaft nicht hätte vorher alle zumutbaren Maßnahmen zur Abwendung hätte ergreifen können (= Minderansicht, bis der EuGH entscheidet). Wenn die beklagte Fluggesellschaft diesen Umstand für die Verspätung nicht darstellt, muß sie zahlen.

Rechtsgrundlage:

  • Verordnung (EG) Nr. 261/2004 vom 11.02.2004, Art. 7 (1) b und 9 (1) a

Bei Annullierung des Fluges sollte ein Storno unter Rückzahlung des Flugpreises möglich sein oder der Fluggast sollte angemessen betreut werden, während er auf eine späteren Flug wartet (Mahlzeiten und Getränke je nach Dauer der Wartezeit, zwei Telefonate oder Faxe).

Defekte (Austausch der Krafstoffpumpe beim Flugzeug) sind keine außergewöhnlichen Umstände (EuGH 17.09.2015; C 257/14).

Gerichtsstand ist nach Wahl des Klägers der Abflug- oder Ankunftsort.

Von uns verklagte Fluggesellschaften:

1. Deutsche Lufthansa AG, vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden Carsten Spohr, Venloer Str. 151, 50672 Köln,

    Email: lufthansap02@seervices.dhl.de

2. Swiss International AirLines AG, Zweigniederlassung Frankfurt, vertreten durch den Vorstandsvorsitzenden,  Airportring, 60549 Frankfurt am Main; Prozeßbevollmächtigte; Rechtsanwälte T+M KAg, An den Drei Hasen 31, 61440 Oberursel, Az. 73/23

Klage vom 27.12.2022, Urteil vom 20.03.2025 - 31 C 200/22 Das Amtsgericht Hamburg ist nicht dem Urteil vom AG Düsseldorf vom 17.10.1989 - 51 C 8671/89 mit Erstattungskosten aus der Frankfurter Tabelle (Preisminderung von 20 % pro Tag und Person = 20 €) gefolgt, sondern verlangte konkrete Aufwendungsdaten für den Einkauf von verloren gegangenen Gegenständen. Unsere außergerichtlichen Gebühren wurden ebenfallls nicht erstattet, weil der Kläger die Fluggesellschaft erst selbst mit den eigens recherchierten Daten für die Ansprüche hätte in Verzug setzen müssen, was er nicht konnte. Eine Berufung war wegen des geringen Streitwertes in Höhe unserer Gebühren dagegen nicht möglich.

3. Corendon Airlines Europe, Turistik Hava Tasimcilik A.S., guzeloluk Main, 1879 Sok, No 146 07200 Mualpasa Antlaya Türkiye.

Sie hat in Deutschland keine Adresse, daher haben wir nichts gerichtlich geltend gemacht.

Der Buchungsdienst Opodo im Internet hat keine deutsche Adresse und ist somit nicht passivlegitimiert.