Zu unterscheiden sind Leistungspflicht bei Vorliegen einer Berufsunfähigkeit (Erstprüfung) undnbsp]                      Leistungsfreiheit des Versicherers bei einem wirksamen Nachprüfungsverfahren (Nachprüfung).

Es liegt vor, wenn die versicherte Person infolge Krankheit, Körperverletzungen oder mehr als altersentsprechenden Kräfteverfalls, die ärztlich nachzuweisen sind, auf Dauer oder mindestens für einen vereinbarten Zeitraum ihren zuletzt ausgeübten Beruf, so wie er ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen ausgestaltet war, nicht mehr mindestens zu der vereinbarten Prozentzahl ausüben kann und auch keine andere Tätigkeit ausübt, die seiner bisherigen Lebensstellung entspricht.

Beruf ist jede auf Dauer angelegte und dem Erwerb bzw. Lebensunterhalt dienende Tätigkeit. Abzustellen ist auf die zuletzt (also vor dem behaupteten BU-Eintritt) in gesunden Tagen konkret ausgeübte berufliche Tätigkeit. Bei mehreren Berufen (Polsterer und Vermieter) muß der Versicherte die Ausgestaltung der Berufe konkret darstellen und dartun, dass ihm seine gesundheitliche Beeinträchtigung keine Betätigungsmöglichkeit in diesen Berufen läßt. Eine zumutbare Betriebsumorganisation ist auch nicht möglich (OLG Dresden, Urteil vom 29.03.2013 - 7 U1220/12).

Das zuständige Gericht muß sich ein Bild von der konkreten Tätigkeit des Klägers vor Eintritt seiner behaupteten Berufsunfähigkeit machen können. Der BGH verlangt eine konkreten Arbeitsbeschreibung mit den anfallenden Tätigkeiten ihrer Art, ihres Umfanges und ihrer Häufigkeit. Dies ist nicht nur für die medizinische Überprüfung der Fähigkeit zur Ausübung einzelner oder aller Tätigkeiten des Berufes, sondern auch für die Beurteilung der Höhe der teilweisen Berufsunfähigkeit unerläßlich (BGH Urteil vom 22.09.2004, IV ZR 200/03, RN 13 - 15 bei openJur). Daher verlangt das Landgericht Lübeck (4 O 298/19, Hinweisschreiben vom 16.04.2020) vom Kläger eine stundenplanmäßige Tätigkeitsbeschreibung eines typischen Tages oder einer typischen Woche samt den sich für ihn ergebenden Anforderungen und Beeinträchtigungen.

Der Versicherer ist an seine Leistungspflicht gebunden, solange er nicht mit Erfolg ein Nachprüfungsverfahren durchgeführt hat. Die Änderungsmitteilung muß für den Versicherten eine nachvollziehbare Begründung enthalten, was sich seit dem ursprünglichen Anerkenntnis geändert hat, eine vergleichende Betrachtung der maßgeblichen Umstände. Der Versicherte hat eine Mitwirkungsobliegenheit. Die Berunfsunfähigkeit muß weggefallen sein oder sich zumindest um 50 % gemindert haben.